German Originals 3

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DIE LIEBENDEN
 
Sieh jene Kraniche in großem Bogen!
Die Wolken, welche ihnen beigegeben
Zogen mit ihnen schon, als sie entflogen             

Aus einem Leben in ein andres Leben.
In gleicher Höhe und mit gleicher Eile
Scheinen sie alle beide nur daneben.

Daß so der Kranich mit der Wolke teile
Den schönen Himmel, den sie kurz befliegen
Daß also keines länger hier verweile

Und keines andres sehe als das Wiegen
Des andern in dem Wind, den beide spüren
Die jetzt im Fluge beieinander liegen

So mag der Wind sie in das Nichts entführen
Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben
So lange kann sie beide nichts berühren

So lange kann man sie von jedem Ort vertreiben
Wo Regen drohen oder Schüsse schallen.
So unter Sonn und Monds wenig verschiedenen Scheiben

Fliegen sie hin, einander ganz verfallen.
Wohin, ihr? - Nirgend hin. - Von wem davon? - Von allen.
Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen?

Seit kurzem. - Und wann werden sie sich trennen? - Bald.
So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.

 

(Um 1928)

 

 

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Forderung nach Kunst
 

Die Gute, die dem Liebsten nichts verwehrt
Und sich ihm hingibt für den Fall des Falles
Muß wissen: Guter Wille ist nicht alles
Begabung ist’s, was er von ihr begehrt.

Selbst wenn da mit der Schnelligkeit des Schalles
Ihr Ichbindein sich in den Beischlaf kehrt
Er legt so viel nicht auf die Eile wert
Bei der Entleerung seines Samenballes.

Wenn auch die Liebe erst das Feuer schürt
So braucht sie doch, um dann zu überwintern
Durchaus auch noch den talentierten Hintern.
Mehr nämlich als ein seelenvoller Blick
(Der auch vonnöten) ist da oft ein Trick
Prächtiger Schenkel, prächtig ausgeführt.

 

(um 1925)

 

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Entdeckung an einer jungen Frau

Des Morgens nüchterner Abschied, eine Frau
Kühl zwischen Tür und Angel, kühl besehn.
Da sah ich: eine Strähn in ihrem Haar war grau
Ich konnt mich nicht entschließen mehr zu gehn.
 
Stumm nahm ich ihre Brust, und als sie fragte
Warum ich, Nachtgast, nach Verlauf der Nacht
Nicht gehen wolle, denn so war's gedacht
Sah ich sie unumwunden an und sagte:
 
Ist's nur noch eine Nacht, will ich noch bleiben
Doch nütze deine Zeit, das ist das Schlimme
Daß du so zwischen Tür und Angel stehst.
 
Und laß uns die Gespräche rascher treiben
Denn wir vergaßen ganz, daß du vergehst
Und es verschlug Begierde mir die Stimme

(1925)

 

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Sonett

Was ich von früher her noch kannte, war
Sausen von Wasser oder: von einem Wald
Jenseits des Fensters, doch entschlief ich bald
Und lag abwesend lang in ihrem Haar.

Drum weiß ich nichts von ihr als, ganz von Nacht zerstört
Etwas von ihrem Knie, nicht viel von ihrem Hals
In schwarzem Haar Geruch von Badesalz
Und was ich vordem über sie gehört.

Man sagt mir, ihr Gesicht vergäß sich schnell
Weil es vielleicht auf etwas Durchsicht hat
Das leer ist wie ein unbeschriebenes Blatt.

Doch sagte man, ihr Antlitz sei nicht hell
Sie selber wisse, daß man sie vergißt
Wenn sie dies läs, sie wüßt nicht, wer es ist.

 

(1925)

 

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Sonett Nr. 10

Von der Scham beim Weibe

Ich lieb es nicht, wenn Weiber lange brauchen
Die mir gefällt, die unersättlich kam            
Und rasch gestillt wird, ihre schnelle Scham
Zwischen Durst und Abwehr pausenlos verhauchen.

Der Liebesakt muß sie von Grund verändern
Bis zur Entstellung! Mit vermischten Leibern
Sei’n bei den Männern und sei’n bei den Weibern
Die Köpfe so entfernt wie in verschiedenen Ländern.

Zu große Scham, dem Mann ans Fleisch zu greifen
Zu große Lust, es ganz sich zu verkneifen
Das Weib soll sein an seiner Lust gemessen.
 
Zu schön, sich nicht zum Warten zu bequemen
Zu unersättlich, nicht alles zu nehmen
Ist es gestattet ihr, sich zu vergessen.

 

(1926)

 

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Vom Genuß der Ehemänner

Sonett Nr. 11

 
Ich liebe meine ungetreuen Frauen:
Sie sehn mein Auge starr auf ihrem Becken
Und müssen den gefüllten Schoß vor mir verstecken
(Es macht mir Lust, sie dabei anzuschauen).

Im Mund noch den Geschmack des andern Manns
Ist sie gezwungen, mich recht geil zu machen
Mit diesem Mund mich lüstern anzulachen
Im kalten Schoß noch einen andern Schwanz!

Und während ich sie tatenlos betrachte
Essend die Tellerreste ihrer Lust
Erwürgt sie den Geschlechtsschlaf in der Brust

Ich war noch voll davon, als ich die Verse machte!
(Doch war es eine teure Lust gewesen
Wenn dies Gedicht hier die Geliebten läsen).

 

(1926)

 

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(Sonett Nr. 12)

 

Vom Liebhaber

Gestehn wir's: leider sind wir zu schwach im Fleische
Ich, seit ich meines Freundes Frau geschwächt
Meid ich mein Zimmer jetzt und schlafe schlecht
Und merke nachts: ich horche auf Geräusche!

Dies kommt daher, weil dieser beiden Zimmer
An meines stößt. Das ist es, was mich schlaucht
Daß ich stets höre, wenn er sie gebraucht
Und hör ich nichts, so denk ich: desto schlimmer!

Schon abends, wenn wir drei beim Weine sitzen
Und ich bemerke, daß mein Freund nicht raucht
Und ihm, wenn er sie sieht, die Augen schwitzen

Muß ich ihr Glas zum Überlaufen bringen
Und sie, wenn sie nicht will, zum Trinken zwingen
Damit sie nachts dann nichts zu merken braucht.

(Um 1926)

 

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Sonett Nr. 15

 

Über den Gebrauch gemeiner Wörter

Mir, der ich maßlos bin und mäßig lebe
Gestattet, Freunde, es euch zu verweisen
Mit rohen Wörtern so um sich zu schmeißen
Als ob es daran keinen Mangel gäbe!

Beim Vögeln können Wörter Lust erregen:
Den Vögler freut es, daß das vögeln heißt.
Wer mit dem Wort zum Beispiel um sich schmeißt
Kann sich auf löchrige Matratzen legen.

Die reinen Vögler sollte man nur henken!
Wenn sich ein Weib mitunter auspumpt: gut.    
Den Baum spült sauber keine Meeresflut!             

Nur nicht dem Geiste eine Spülung machen!               
Die Kunst der Männer ist’s: vögeln und denken.         
(Der Männer Luxus aber ist’s: zu lachen).

 

(1926)

 

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Napoleon


Die Revolution war fertig schon
Da kam der große Napoleon
Die Bürger haben ihn als Kaiser eingesetzt
Denn sie waren die Herren jetzt.
Seine Marschälle waren Schankwirtssöhne
Seine Grenadiere bekamen gute Löhne
Seine gewaltige Artillerie
Schaffte Platz für die Industrie.
Die Völker Europas haben ihn vertrieben.
Ihre eigenen Fürsten sind ihnen geblieben.
Die haben den ganzen Gewinn gekriegt:
Die Schlechteren haben den Schlechten besiegt.

(1932)